26.03.2014 - Arktisches Eis sagt Winter voraus (Studie)

27.03.2014 15:54
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Eisschollen bei Grönland: Ist die arktische Eisbedeckung im September gering, wird der Winter kalt und trocken. / Wie kalt und niederschlagsreich der Winter in Europa wird, lässt sich laut französischen Forschern schon im September abschätzen. Basierend auf der arktischen Meereisbedeckung im Herbst habe eine Prognose für die Wintermonate Dezember bis Februar gute Chancen, schreiben die Wissenschaftler im Fachjournal «Nature Geoscience». Ihren Befund stützen die Klimatologen Javier García-Serrano und Claude Frankignoul von der Université Pierre et Marie Curie in Paris auf einen Zusammenhang mit der Nordatlantischen Oszillation (NAO) – einer für das Klima Europas relevanten Luftdruckschaukel. Sie bezeichnet die Ausprägung der grossräumigen Druckgebilde über dem Nordatlantik: dem Islandtief im Norden und dem Azorenhoch im Süden. Ist der Luftdruckgegensatz stärker als im Mittel ausgeprägt, so wird die Westwindzirkulation begünstigt: Milde und feuchte Luft gelangt als zonale Strömung nach Europa. Ist der Druckgegensatz gering, so flauen die Westwinde ab, womit Kaltluftausbrüche aus dem Polarraum begünstigt werden. Man spricht dann von einer negativen Nordatlantischen Oszillation.

Sehr starke Korrelation

Die Forscher folgerten nun aus Satellitenbildern von 1979 bis 2013, dass bis zur Hälfte der jährlichen NAO-Schwankungen mit der Ausprägung der arktischen Eisschmelze östlich von Grönland zu erklären sind – für klimatologische Verhältnisse eine sehr starke Korrelation. Demnach folge auf einen September mit wenig arktischem Eis oft eine negative Oszillation während der Wintermonate. Dadurch ist die Chance auf kaltes, trockenes Klima in Mitteleuropa hoch. Wie dieser Zusammenhang entstehe, sei bisher noch unklar. Klimatologen aus den USA stellten aber bereits in einer früheren Studie ein mögliches Szenario vor. Demnach würde das Fehlen von Meereis die Verdunstung begünstigen, was zu intensiviertem Schneefall in höheren Breiten führe. Der Kontinent kühle im Frühwinter damit stärker ab, und es entstehe träge Kaltluft, die sich als blockierende Hochdruckgebiete über Europa positioniere. Die Westwindströmung würde so unterdrückt. Auch die aktuelle Studie verweist auf die Bedeutung der Schneebedeckung. Die Forscher schreiben, dass die Prognose deutlich besser zutreffe, wenn man die Schneebedeckung des eurasischen Raums im Oktober berücksichtige.

Vieles bleibt Zufall

Silvan Rosser, Umweltnaturwissenschaftler und Vorsitzender der studentischen Vereinigung Metheo der ETH Zürich, beobachtet die Nordatlantische Oszillation und die zugehörigen Wetterphänomene in der Schweiz laufend. Er nennt die aktuelle Studie eine «interessante statistische Modellierung» – mahnt aber sogleich daran, dass der aktuelle Winter der von den Forschern angepeilten Prognostik widerspreche. «Es gab sehr geringe Eisbedeckung letzten Herbst, die Nordatlantische Oszillation war aber über den ganzen Winter positiv. Wir hatten viele Südwestlagen, was milde Temperaturen und viel Niederschlag am Alpensüdhang brachte.» Das stellt aber nicht die Studie infrage. Vielmehr ist es bezeichnend für den Charakter des Klimas, wo kaum ein Zusammenhang einfach ist, vieles miteinander interagiert und Ursache und Folge oft schwierig zu unterscheiden sind. «Auch das Geheimnis von Wintertemperaturschwankungen liegt letztlich in den komplexen physikalischen Wechselwirkungen der Atmosphäre verborgen, die noch zahlreich erforscht werden müssen», sagt Rosser. Bis dahin müsse man sich damit abfinden, dass vieles Zufall sei. / Originalartikel:
Arktisches Eis sagt Winter voraus


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