[PUBLICINFO] - UBIMET Konzept "Plausible Wetterwerte für alle" + Jörg Kachelmann Kritik

18.08.2018 00:14 (zuletzt bearbeitet: 18.08.2018 23:07)
#1 [PUBLICINFO] - UBIMET Konzept "Plausible Wetterwerte für alle" + Jörg Kachelmann Kritik
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Hi@all

Nachdem ich dieser Tage als euer Obmann, leider familiär ziemlich eingespannt bin (von daher mal großes DANKE an ALLE, die diverse Vereinsarbeiten aktuell fortführen) komme ich schwer hier auf SWC (Forum) zum posten. Von meiner Seite möchte ich an dieser Stelle auch folgendes festhalten: Auch wenn ich selbst zuletzt wenig beitragen konnte, hat sich NICHTS an meiner Einstellung zu "STORMHUNTERS-AUSTRIA" & der Vision die wir haben (nämlich stets eine hilfreiche Ergänzung zu offiziellen Wetterdiensten zu sein & auch diverse Projekte, Entwicklungen im Wettersektor zu unterstützen) geändert. Auch unsere Mitglieder & die es noch werden wollen sind mir sehr wichtig & mir ist bewusst wie wertvoll jeder einzelne Stormhunter sein kann. Es ist nach wir vor wichtig, dass wir auch in Zeiten wo vieles anders ist als noch zu Beginn, Menschen bei uns haben die gerne hier ihre Leidenschaft zum Wetter ausleben & zugleich einen Mehrwert für den Verein, Partner & der Bevölkerung liefern.

Was uns zudem im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen & Organisationen unterscheidet ist der vorhandene Zusammenhalt wenn zb. auch mal negative Dinge passieren. Nicht nur vor fleißigen Mitgliedern sondern auch gegenüber unseren Partnern die großes leisten (wie zb. UBIMET) haben wir größten Respekt & man verspürt auch im Umgang stets eine gewisse Menschlichkeit. Leider ist das aber nicht bei jedem so...

Ein großer Aufreger war bei mir & vielen Kollegen zuletzt "Jörg Kachelmann" & was er so auf Twitter gepostet hat.


Hier ein Beispiel vom letzten Tweet. Auch Tage davor gab es bereits mindestens 2 Tweets die ähnlich geschrieben waren. Es ist mir hier unverständlich wie respekt- & anstandslos man tweeten kann. Bevor ich allerdings genauer auf die möglichen bis wahrscheinlichen Beweggründe von "Jörg Kachelmann" eingehe, möchte ich kurz erklären was es mit den UBIMET Temperaturen auf sich hat die an Standorten gemeldet werden wo keine physischen Wetterstationen stehen.

Angefangen hat das ganze bereits vor vielen Jahren an der Universität Wien, wo ein Konzept entwickelt wurde, was es ermöglicht mit Hilfe von gewonnen Messdaten der vorhandenen Wetterstationen (derzeit etwa 300 in Österreich), verschiedenen Parametern sowie einer Topographie Analyse, auch plausible Werte an Orten zu bekommen, an denen keine direkten Wetterstations-Messungen zur Verfügung stehen. UBIMET hat dieses Konzept mit modernster Technologie & vielen qualifizierten, extra dafür ausgebildeten Mitarbeitern äußerst erfolgreich weiterentwickelt. Über einen langen Zeitraum (& natürlich ebenso stets gegenwärtig) wurden auch intensiv sogenannte Cross Validations durchgeführt, dh. man vergleicht mit realen Wetterstationen, die nicht für die Analyse verwendet wurden. Erst nach derartig vielen, positiven Tests (zumeist gab es nur kleine Abweichungen vom realen Zustand) ging UBIMET her & begann das Projekt öffentlich auszurollen. So ist es heute bereits normal geworden, dass eben zb. auf http://www.wetter.tv oder auch in der Kleinen Zeitung Wetterwerte auf die Kommastelle genau an Orten angegeben werden wo eigentlich keine Station steht. Man kann in weiterer Folge natürlich darüber nachdenken ob man nicht einen Hinweis hinzufügt, dass es sich hier eben um plausible Temperaturen handelt & keine gemessenen. Aber wie der Chefmeteorologe & Gründer von UBIMET "Manfred Spatzierer" schon im ausführlichen Facebook Post (siehe: https://www.facebook.com/wetterblog/posts/1864435180269594) von ihm geschrieben hat: Jede der mehr als 2200 österreichischen Gemeinden hat ein Anrecht auf einen plausiblen aktuellen Wetterzustand.

Es geht aber nicht NUR einfach darum Temperaturdaten von allen möglichen Ortschaften anzugeben, sondern der weitaus größere Sinn dahinter besteht darin, dass vor allem auf lange Sicht mit der stetigen Weiterentwicklung dieses Konzepts ein extremer Mehrwert für den Wetterbereich geschaffen wird. Durch immer bessere Computermodelle & natürlich auch weiteren physischen Wetterstationen die aufgestellt werden (zum Teil auch eigene von UBIMET) wird das zukünftig dazu führen, dass selbst lokale Wettervorhersagen auf kurzem Zeitraum immer besser bzw. treffsicherer werden.

Klingt doch gut oder ? :) Für die meisten unter uns wohl schon. Gut werden es nur nicht Mitbewerber des Wettermarktes finden, die kaum Chance auf ein ähnliches Produkt haben, wie zb. eben Jörg Kachelmann. Es liegt für mich somit auf der Hand was er mit seinen Tweets bezwecken möchte. Er will damit ein herausragendes, inovatives Projekt gezielt schlecht reden, indem er den einzig vorhandenen Punkt rauspickt worüber man viel diskutieren kann. Nämlich der Tatsache, dass es sich eben um plausible Werte handelt, die vermutlich in Zukunft gekennzeichnet werden sollten. Aber ganz ehrlich das ist nie & nimmer ein Grund (alleine schon aus Respekt gegenüber anderer Unternehmen & deren Arbeit macht man sowas einfach nicht) Tweets zu verfassen wo von FAKE Meldungen etc. geschrieben wird. Es wäre auch falsch nach derartigen Posts von Jörg Kachelmanns (weil es ging ja auch noch weiter zb. schrieb er nach Stellungnahme von UBIMET Chef Manfred Spatzierer, siehe: https://www.facebook.com/wetterblog/posts/1864435180269594 sowas wie: "Datenerfinden ist Datenerfinden") sich nun nur auf diesen Umstand der plausiblen Werte zu fixieren. Bei der breiten Maße wird so ein tolles, inovatives Projekt automatisch sehr unnötig in ein schlechtes Licht geschoben (was zum Teil eh schon passiert ist) & das war auch der Grund warum ich hierzu einiges schreiben wollte.

Was ich auch noch erwähnen möchte: Durch unsere langjährige Partnerschaft mit UBIMET (seit 2010) können auch wir, neben vielen weiteren Daten, auch auf Vera-Analysen zurückgreifen & wissen wie gut diese Technik bereits entwickelt ist. Von daher konnte ich auch bisschen aus dem Nähkästchen plaudern. Zudem schätzen wir alle den CEO & Chefmeteorologen von UBIMET Manfred Spatzierer sehr & wissen wie ärgerlich es ist wenn jemand mit einer so hohen Reichweite wie Jörg Kachelmann bewusst öffentlich seine Firma angreift. Bitte teilt also dieses Schreiben damit jeder Bescheid weiß um was es wirklich geht.

Soviel mal von meiner bzw. der Seite des Vorstands. DANKE für eure Unterstützung.


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23.08.2018 02:58 (zuletzt bearbeitet: 23.08.2018 03:00)
#2 RE: [PUBLICINFO] - UBIMET Konzept "Plausible Wetterwerte für alle" + Jörg Kachelmann Kritik
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Manfred hat sich via Facebook wieder dazu geäußert. Sehr aufschlussreich...

Zitat
Bodenanalysen meteorologischer Felder

Unerwartet viel Aktivität hat meine Entgegnung zu Jörg Kachelmanns Fälschungsvorwürfen erzeugt und immer noch ebben die Kommentare dazu nicht ganz ab. Ich habe es bewusst vermieden, in die entstandene Diskussion zu sehr einzugreifen.

Dennoch, er letzte Kommentar hierzu sei von mir, dass Herr Kachelmann nicht alles weiß, was er zu wissen glaubt: Zum einen befindet sich in der von ihm geposteten Liste “erfundener” Werte auch eine Wetterstationslokation (Mörbisch), zweitens weiß er nicht, dass die Meldefrequenz der Wetterstationen in Österreich 10 minütig ist und man hier also durchaus alle 10 Minuten eine Analyse fahren kann. Klassische Bildungslücke.

Es war dadurch recht spannend zu beobachten, Kommentare aus welchen verschiedenen Lagern sich dann angesammelt haben. Diese kann man ganz grob kategorisieren.

Die Jasager: Diese gibt es immer und für die ist jede Wortmeldung von Herrn Kachelmann, sei sie auch noch so entbehrlich, sakrosankt. Darauf braucht man nicht weiter eingehen.

Befürworter: Viele haben mir in meiner Kritik an der Person und an der Sache beigepflichtet, danke dafür.

Puristen: Einige vertraten mit Überzeugung die Position, dass nur ein tatsächlich gemessener Wert mit soviel Wahrheit versehen ist, dass er verbreitet werden darf.

Wissenschaftliche Kritiker, die Ansätze und Ergebnisse der von mir/UBIMET verwendeten VERA Analysemethode kritisch gegenüber stehen.

Jörg Kachelmann selbst, mehr als ein Copy und Paste der erhobenen Vorwürfe gab es aber nicht, deswegen findet er keine weitere Erwähnung

Auf die Kommentare der Puristen und wissenschaftlichen Kritiker lohnt es jedenfalls, einzugehen. Vorab, traten hier im Verlauf der Diskussion immer mehr Erfindungen einzelner Kommentatoren auf, wie zum Beispiel, dass man mit Analysen neue Rekordwerte erfände. Ist nicht zutreffend, denn seit jeher werden bei UBIMET Vergleiche mit langen Zeitreihen, zum Beispiel punkto Extremtemperaturen intern aber auch für Medien nur auf Basis von Stationsmessungen durchgeführt. Das muss man so und nicht anders aus Gründen der Vergleichbarkeit tun.

Mancher mutmaßte, man wüsste bei Analysen nicht um den begangenen Fehler Bescheid. Genau das stimmt nicht, denn bei jedem Analyseschritt kann man via Kreuzvalidierung die typischen statistischen Fehlermaße feststellen. Die Frage bleibt, wer von den Puristen das bei tatsächlichen Messwerten tut, denn jede Messung selbst ist mit Fehlern behaftet, sei es durch das Instrument, sei es durch das Umfeld bedingt.

Man mutmaßte, mit Analysen Stationen ersetzen zu wollen. Auch das ist eine unbegründete Erfindung, da die Analyse über jede weitere Station froh ist, um Charakteristika noch besser festzustellen und in die Fläche zu bringen. Je mehr Stationen, desto besser die Analyse.

Dann gab es einen spannenden Kommentar, dass es einem eingefleischten Synoptiker ja die Grausbirn’ aufstellen müsste, mit berechneten Werten zu operieren. Und das ist auch verkehrt angenommen. Der Begriff der Synoptik (aus dem Griechischen: Syn und Optik) steht für die zusammenschauende Betrachtung einer Vielzahl von Messwerten unterschiedlichen Typs um ein möglichst vollständiges Bild zu bekommen. Vielfach muss man aus anderen Quellen ergänzen, da man z.B an manch einer Station nicht die Möglichkeit hat, die Sonnenscheindauer oder die Strahlungsintensität abzugreifen, um ein ganz normales Wettersymbol zuordnen zu können. Das kann man u.A. durch Hinzunahme von Wettersatelliteninformationen erreichen.

Eigentlich FAKE und verboten ?

Dabei wäre es – zieht man die Argumentationskette der Puristen weiter, genauso verboten eine händische Isobarenanalyse auf Basis von diskret verteilten Druckmeßwerten zu zeichnen und zu publizieren. FAKE und ERFUNDEN ? Denn dem Isobarenzeichnen liegt eine mathematische Methode zu Grunde, das so genannte grafische Integrieren. Wie auch der Temperaturanalyse eine beschreibbare mathematische Methode zu Grunde liegt. Beim Grafischen Integrieren zeichnet man die vermeintlichen Linien gleichen Bodendrucks so, dass der Abstand der Linien proportional der gemessenen Windgeschwindigkeit ist und die Isobaren die Windvektoren in einem gewissen Winkel kreuzen, dabei löst man im Kopf die Impulserhaltungsgleichung.

Ebenso verboten wäre eine Bodenanalyse von Fronten, bei der man als Synoptiker auf Basis von Messwerten die Position von Frontlinien analysiert. Die Methode, das grafische Integrieren, ist die selbe wie bei der Isobarenanalyse. Genau genommen dürfte man nur feststellen, ob eine Station noch vor und der bereits hinter einem Luftmassenwechsel zu liegen kommt. Ist also eine analysierte, durchgezeichnete Front GEFAKED ?

Geht man zur Analyse der Höhenwinde, wo nur mehr ganz wenige Radiosonden Messdaten liefern, wird das Tabu eigentlich noch größer, weil immer mehr Mathematik gebraucht wird um realistische Strömungsmuster analysieren zu können ? FAKE ? Ohne diese „Erfindung“ dürfte heute kein Pilot mehr in die Luft…

Ein Radarbild nimmt man doch gerne so wie es ist, dabei ist es das Abbild purer Mathematik und Analyse. Kein Regentropfen oder Hagelkorn schreit selbständig durch den Äther, wie groß es ist. Die Analyse der Verteilung beruht auf vielen Annahmen. Selbst der angesprochene Polterer erzeugt mit Stationen und Radardaten Flächenniederschlagsanalysen und lässt das Ergebnis am Punkt auf den 1-tel mm stündlicher Regenrate genau abgreifen. FAKE ? Eher Gedächtnislücke.

Man verstünde also nicht, warum man bspw. bei der Temperatur nicht das tun darf, was man beim Druck und beim Niederschlag anscheinend darf. Analysieren … böser böser Analysewert. Mit dieser Inkonsequenz der Argumente komme ich inhaltlich nicht klar, und werde mich diesen Argumenten in ebenso nachvollziehbarer Art und Weise nicht beugen.

Das System der Analyse wird zur Ausgabe aktueller Werte insofern auch konsequent durchgezogen, als dass am Punkt der Station selbst auch der Analysewert abgegriffen wird, der sich idR. Leicht vom Messwert unterscheidet, ja unterscheiden muss, da bei der Analyse auch gleich noch eine Qualitätskontrolle der Messung selbst durchgeführt wird.

Mir ist schon klar, dass die Diskussion Messwert v.s Analyse polarisiert und ich werde nichts tun, um die Polarisierung zu vermindern, , weil ich glaube dass die meteorologische Flächenanalyse eine von einigen guten/richtigen Lösungen ist, die weiter zu vertreten und weiter zu verbessern ist. Dies ist mein Zugeständnis an die wissenschaftlichen Kritikern, wobei Puristen und Wissenschaftler gleichermaßen die Frage beantworten sollten, wie viel Varianz tolerierbar ist und wo man die Kirche am Besten im Dorf lässt. Tagtäglich kann ich als Radfahrer abends mitmessen, wie sehr die Temperatur auf kürzester Strecke variieren kann, in Mulden, unter Brücken, auf Dammkronen, in Waldstücken …. das wird die Analyse nicht antizipieren können, nicht in der Auflösung. Aber ein Purist und Wissenschaftlicher Kritiker OHNE Wetterstation auch nicht.

MS


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