Mit dem Forecast und der Wetterlage laut den Karten im Hinterkopf hats Kerstin und mich heute erst einmal an die Tschechische Grenze zum Einkaufen verschlagen. Dort hat uns gegen 16 Uhr bereits ein Eisschirm begrüßt, darunter jede Menge Aufwindtürme, die sich langsam auf uns zu bewegt haben. Als diese dann schon recht nahe an uns heran waren und auch bereits erste Niederschlagsvorhänge zu sehen waren sind wir dann los gestartet – erster Weg der Hügel über Jetzelsdorf, wunderbare 360° Sicht.
Runde 1 – Unwetterzellen im Raum Pulkau / Weitersfeld ;)
Dort erwischten wir dieses Bild. Ich habs wegen der Atmosphäre mitgenommen. Wie der ewige Kampf „Gut vs Böse“ stehen sich auf dem Bild links der Sonnenschein und rechts der Niederschlag gegenüber – habs einfach genial gefunden ;)

Nachdem wir uns einen Überblick verschafft hatten (und mit Radar abgeglichen) haben wir mal beschlossen, Richtung Pulkau aufzubrechen. Nicht weit nachdem wir gestartet waren ergab sich bald mal das erste Bild von Interesse, den Kerstin gleich entdeckt hat noch bevor ich schauen konnte :)

Die Aufnahme von Weitem und etwas später – der Funnel im linken Drittel nach wie vor zu sehen

Bald darauf hat sich dann der Fleckerlteppich vom Radar auch in Real gezeigt – mehrere separierte Niederschlagsvorhänge, jeder von einer eigenen Zelle…

Wenig später hat sich der Bereich zwischen den beiden Hauptvorhängen ausstrukturiert…

Der Niederschlag der vorderen Hauptzelle wurde ebenso immer dichter

…die Wolkendecke hat sich mehr und mehr strukturiert. Der kleinen Absenkung in der Bildmitte fehlte wortwörtlich der Dreh um interessant zu sein ;)

Schon beeindruckende Formen an der Unterseite…

Nach einiger Zeit formte sich der Niederschlagsvorhang der hinteren Hauptzelle recht seltsam aus … mit einem „Platzhalter“ für den Rüssel wie ich schon gehört habe XD

Bald darauf zeigte sich uns dieser nasse Downburst. Charakteristisch ausgeformt der „Stiefel“ und es war fein, diesem beim waagrecht Ausbreiten zuzusehen – herrliches Naturschauspiel ;)


Die vordere Hauptzelle zeigte uns diese atmosphärische Bild

Wir sind diesem Unwetterkomplex dann mal bis nach Pulkau gefolgt. Vor Straning hatten sich alle kleinen Zellen dieses Fleckerlteppichs aufgelöst und in die beiden großen Zellkerne integriert

Bei Pulkau konnten wir einen ersten Eindruck erhaschen, welcher Niederschlag uns erwartete

Und bald später formte sich auch eine Absenkung vor dem Vorhang

Auf unserem Weg von Pulkau nach Weitersfeld wurde das Ganze dann extrem. Massive Überschwemmungen, Starkregen, Sturmböen und zeitweise immer wieder Hagel waren unsere Begleiter. Abstrakte Anblicke teilweise – wie hier, fast niederschlagsfrei und aufsteigender Dunst im Vordergrund, die hintere Hälfte des Felds vom Niederschlag verschleiert…

Wir haben uns dann bis nach Oberhöflein durchgeschlagen, wo uns der vordere Kern (mittlerweile der hintere bereits eingegangen) dann davongezogen ist. Da von der Slovakei zu der Zeit der nächste Komplex reingekommen ist haben wir beschlossen, Kehrt zu machen und gleich eine Bestandsaufnahme der Überschwemmungen zu machen unterwegs…
Runde 2 – Schadensaufnahme der Überschwemmungen
Bereits in Oberhöflein haben wir jede Menge Wasser auf den Straßen gehabt, teilweise schon richtige Ströme…


Auch auf dem Weg zurück nach Weitersfeld jede Menge Wasserläufe über die Straße…


Ebenso die Felder überschwemmt…


Extrem hat es dieses Feld erwischt…


Genauso dieser überschwemmte Fleck…


Überschwemmungen fast in jedem Feld

Ebenso Feldwege und Güterwege

Auch in Weitersfeld jede Menge Wasser auf dem Weg in den Ort

Wir danken diesem Autofahrer für die Demonstration der Wassermassen auf der Straße ;)

Weiter den Weg zurück nach Pulkau…


Dann kam die große Action des Chasings. Wir erblickten auf Weite nahe Theras eine lokale Überschwemmung. Vorerst sahen wir nur eine ältere Frau, die dort nervös auf und ab ging. Letztlich stellte sich heraus, dass ihre erwachsene Tochter im angrenzenden – überschwemmten – Grundstück im Gartenhaus von den Wassermassen eingeschlossen worden war und sich allein nicht mehr befreien konnte.

auf der anderen Seite der Brücke

Während Kerstin sowie zwei andere Helfer den Zaun zerschnitten und versuchten, die Frau aus dem Gartenhaus zu bergen habe ich versucht, die alte Frau zu beruhigen. Dabei erfuhr ich, dass zuvor bereits jemand an Ort und Stelle gewesen war. Und diese – sorry – elendigen Ar********* hatten nix andres in ihrem hirnlosen Schädel, als Bilder zu machen von der Überschwemmung und sind ohne zu helfen abgehauen. Wir werden insofern auch die Augen offen halten ob und wo Bilder dieser Situation auftauchen. Und sollten wir auch nur ein einziges Bild von wem anderen als den Einsatzkräften finden, wird es polizeiliche Anzeigen wegen unterlassener Hilfeleistung hageln! Es kann nicht sein dass jemand in Lebensgefahr schwebt und solche Idioten verschwinden nachdem sie ihre Bilder haben!!
Hier ein Panorama der Szenerie mit den Rettungskräften, wir mitten drin…

Die Frau konnte glücklicherweise – unverletzt wie es schien – geborgen werden und kam mit dem Schock davon. Nach einiger Zeit (Berichterstattung etc) konnten wir dann letztendlich auch wieder aus dieser Mauer an Einsatzwagen heraus :)
Weiter im Plan nach Pulkau zurück. Unterwegs noch ein Panorama des Baches, der dieses Unglück zuvor verursacht hatte. Anhand des Getreides abzulesen, wie hoch dieser Wasser geführt haben muss. Auch von der Seite strömen vom Feld immer noch Wassermassen in das Bachbecken…

Nachdem wir uns in Pulkau auch noch einmal kurz umgesehen haben, aber nichts gefunden haben, haben wir uns kurz mit Hansi koordiniert und sind dann weiter zur:
Runde 3 – Shelf der Unwetterfront aus der Slovakei
Mit Volldampf in Richtung Hollabrunn gerast, wo wir eigentlich vorhatten, diese Front über die Schnellstraße / Autobahn im Tullnerbecken abzufangen. Schon auf die Weite – noch nicht einmal in Hollabrunn angekommen – die ersten Ausläufer des Shelfs, welche wir erst für einen Funnel gehalten hatten.

So schnell es ging auf die Schnellstraße und Richtung Stockerau gerast. Schon kurz nach dem Hügel hinter Hollabrunn überkam uns bereits die Befürchtung, dass sich unser Plan nicht mehr in die Tat umsetzen lassen würde, denn das Shelf war fast da…


Wir habens bis nach Göllersdorf geschafft, dann war Schluss. Das Shelf war einfach viel zu schnell. Dafür das traumhafteste Shelf, das ich je in echt gesehen habe ;)


Wir haben dann noch versucht, uns ein wenig davor zu setzen bzw eine bessere Sicht zu bekommen, weshalb wir zu unserem Chasingpoint bei Hollabrunn gefahren sind, wenngleich es etwas leichtsinnig war, auf weiter Fläche auf einem Hügel. Naja, no risk, no fun ;)
Unterwegs haben wir uns mit Rocky zusammengerufen der dann versucht hat, ganz vor dem Shelf zu bleiben. Wir hingegen haben bei Hollabrunn das Schelf mal über uns ziehen lassen. Wahnsinns Strukturen darunter…

Mehrfache lokale Rotationen, diese mit Abstand am stärksten und größten

Und auch noch einen weiteren Funnel bekamen wir zu Gesicht, wunderschön ausgeformt

Wir wollten dann mit dem Shelf mitfahren, weshalb wir den Chasingpoint wieder verlassen haben und Rocky nachgefahren sind Richtung Ziersdorf. Auf dem Weg dahin ein traumhafter Sonnenuntergang – die Unterseite des Shelfs in tiefes Rot geraucht ;)

Wir sind dann weiter nach Ziersdorf, während Rocky in Fahndorf weiteres abgewartet hat. Dabei bemerkten wir aber dass das Shelf komplett zusammengebrochenwar. Und auch der Niederschlag war am nachlassen. Wir sind dem Niederschlag noch ein Stück entgegengefahren, dieser hat sich schnell aber unter das Level vom Starkregen gesenkt.
Tja. Chasing abgebrochen und mit Rocky noch auf was zu Trinken gefahren um den Abend gebührend ausklingen zu lassen ;)
War ein wahnsinns Chasingstag heute. Massenhaft Erfahrung gesammelt und ich denk, dass alle hier bei uns heute erstklassige Arbeit geleistet haben! Besser als wirs heute bei uns hinbekommen haben kanns eigentlich kaum laufen ;)
Lob an Hansi fürs treffende Forecast!
Lob an Denisa für die Top Warnleistung sowie das Tempo!
Und vor allem ganz großes Lob heute an meine Gattin, die das Auto heut wie kaum ein Anderer unter Kontrolle behalten hat und für den mutigen Einsatz bei der Rettungsaktion ;)