Gestern war grundsätzlich ein Auslandchasing für Hansi und mich geplant, doch am Ende ging sich auch für Südostösterreich eine kleine Gewitterlage aus. :) Es entwickelte sich tief in Slowenien bereits gegen 15:20 eine sogenannte Superzelle, die uns noch eine lange Geschichte erzählen sollte...
Als Übersicht eine Karte über die Zugbahn der Superzelle. (Youtube Logos zeigen den Aufnahmestandort der unteren Videos)
Quelle: Idokep.hu - Mindestens 550km müssten es durchaus gewesen, wie uns Blitzradarbilder aus Ungarn hier zeigen..
Nachdem diese Zelle natürlich von vielen Spottern & Chasern aus Slowenien & Ungarn sowie auch noch der Slowakei nicht unbemerkt bliebt, wurde diese Zelle wirklich von allen Seiten auch (inklusive uns) dokumentiert.) Das erste Chasingvideo tauchte aus Velenje (Slowenien) auf...
In weiterer Folge haben wir folgendes dokumentiert bzw. festgehalten...
Alles weitere nun in Bildern:
Schon von Anfang an sah man die Scherung bereits anhand kleiner konvektiver Wolken.
Bereits aus großer Entfernung (um die 15-20km Luftlinie) konnten wir die massive Shelfcloud der Zelle erahnen. Wie gewohnt waren wir bereits unter dem Eisschirm der Zelle.. ^^
Von unserem Standard-Standpunkt in Laafeld bei Bad Radkersburg aus konnte man dann schon mehr erahnen...
Aufgrund des Waldes zwischen der Zelle und uns war ich etwas nervös, und drängte Hansi, bereits wieder im Auto sitzend, zum Weiterfahren...
Ein letzes Foto ging sich noch aus, aber die Superzelle versteckte sich hinter den Bäumen, ein sogenannter "Hinterwäldler" ^^ ..
Aus dem Auto sahen wir dann schon einiges mehr...
Interessant an dieser Zelle ist, dass sie die ganze Zeit bis zur österreichischen Grenze eine Art Schwester-Superzelle hatte, die sie dann im "Kampf um das CAPE" sterben ließ, um selbst zu überleben.. Hier ersichtlich ist aber nicht die Zellenleiche, sondern eine weitere LP-Mesozyklone.
Jedoch mussten wir aufpassen, dass wir die schönste Zelle nicht aus den Augen verloren - in beiderlei Hinsicht, denn sie zog extrem schnell mit der Südweströmung mit.
Als mein Vater anrief und fragte, was ich grade mache, bekam er als Antwort: "Das was ich am besten kann.." *gg*
Zeitraffer war am Laufen...
Zeitweise war die Unterscheidung zwischen Shelfcloud und Wallcloud kompliziert..
...aber sie rotierte dermaßen heftig, unverkennbar sowas. Außerdem wurde sie mit der Zeit immer deutlicher.
Sehr schöne Einschleifungen waren ebenfalls zu beobachten. Da denkt man nicht daran, dass die Zelle am Radar "nur" dunkelrot war.
Wallcloud oder Wedge Tornado?
- Von der Rotation her nicht auseinanderzuhalten..
Obwohl die Superzelle sich generell abschwächte, wurde sie immer fotogener.
Die Wallcloud hob sich etwas vom Boden, sodass wir besser sehen konnten, was da vor sich ging.
Was wohl Marko Korosec sagen würde, fragten wir uns...
Die Rotation lässt sich eigentlich ohnehin nur anhand des obrigen Videos beschreiben.
Die Zelle wurde weiterhin hochbasiger, und wir konnten nun den ganzen Aufwindbereich sehen.
Interessant zu beobachten war auch, dass die Wallcloud (zumindest sah es so aus) schneller zog als die Zelle selbst.
Am Video ist auch gut erkennbar, wie sich die Bäume unterhalb der Wallcloud biegen.
Die Versorgung der Zelle konnte sich ebenfalls sehen lassen.
Neben dem Fotografieren musste ich besonders acht darauf geben, dass die Zelle nicht aus dem Blickwinkel der Videokamera hinausschießt, so schnell war sie unterwegs.
Erinnerungen an den 23. Juni wurden wach...
..vor allem, weil noch mehr Zellen nachkamen...
Die Wallcloud rotierte nach wie vor extrem - die ganze Zeit natürlich bestand Tornadogefahr..
Auch machte die Wallcloud die typischen Tentakel, auch "Arcus-Zähne" genannt.
Ein Standortwechsel war aufgrund unserer eigentlich perfekten Position und des Schwächelns der Zelle nicht unbedingt notwendig.
Etwas hochbasiger, aber immer noch sehr schön, kam die LP-Meso auf uns zu.
Plötzlich tauchte zwischen den beiden Zellen eine weitere Basis auf - was versteckte sich da im Wolkenschleier?!
Tja, die Superzelle hatte nach wie vor keine Lust, aufzugeben..
Die Rotation verengte sich, stellte sich auf, und das unvermeidliche Resultat war eine wahrscheinliche Funnelcloud, die sich aber ein bisschen in einen Fraktusschleier hüllte, was die ganze Sache wieder infrage stellt.
...was man auf dieser Nahaufnahme aber besser erkennt.
Für einen kompletten Touchdown reichte es aber wahrscheinlich dennoch nicht, obwohl der berüchtigte Wald dazwischen war ^^.
Offenbar sah die mögliche Funnelcloud dies genauso, und begann, Schwächeerscheinungen zu zeigen..
Oder doch nicht?
Als ob die Zelle wie mit einem Fühler die Luftmasse unter ihrer Basis abtasten wollte, hielt sich die Funnel noch kurze Zeit lang..
Bevor sie dann endgültig begann, zu zerfallen...
...sie rotierte aber nach wie vor..
...noch kleiner...
..und schließlich war sie ganz verschwunden.
Die nach wie vor schwächelnde Zelle klammerte sich förmlich an das CAPE im Südosten, erkennbar ist das an der langen Versorgungslinie..
Nachdem uns während dieser Funnelshow kalt und heiß wurde, begann Hansi gleich mal, sich auszuziehen...
...glücklicherweise nur das Hemd *frech grins*. Die Sonne verlieh der abziehenden Zelle und dem Getreideacker einen tollen Kontrast.
Die LP-Meso, die in die Zugbahn der vorigen Zele geraten war, war nicht mehr so schön wie vorher, und ging vor unseren Augen ein.
Dafür bekamen wir einen mehr als suspekten Sonnenuntergang zu sehen.
Es wollte jedenfalls nicht aufhören, zu quellen..
Tja - nach einem Beinahe-Tod in Österreich zog die Zelle mit der Konvergenz weiter in die energiereiche Luftmasse über Ungarn - wir gifteten uns sehr, dass wir dies im Chasingstress aus dem Gedächtnis verloren und in Radkersburg blieben, aber aufgrund der Straßenverhältnisse in dem Gebiet wäre ein Nachkommen sowieso nicht möglich gewesen, jedenfalls nicht mit einem halbwegs vernünftigen Fahrstil..
Zum Abschluss blieb uns dann nur ein Omen für das nächste Mal - auf einer Kapelle in Radkersburg..
und wie diese Superzelle weiter Richtung Ungarn im Raum Györ aussah, sieht man nun auf folgenden Bildern via Lightbox!
Text & Video: Karl Wiedenhofer Fotos: Hans-Jürgen Pross & Karl Wiedenhofer Video- und Fotobearbeitung: Karl Wiedenhofer Datenvorbereitung: Hans-Jürgen Pross -
Mit besten & lieben Grüßen Obmann Hans-Jürgen Pross
Kunst ist das Leben aus den Augen des Künstlers gesehen. - Rechtschreibfehler sind lediglich Special Effects meiner Tastatur... Meine Webvisitenkarte und eine Übersicht meiner Projekte: www.798.at
Also das am gestrigen Tag noch ordentlich Pfeffer in der Wetterlage drin war, war vielen & auch mir natürlich bewusst. Grundsätzlich wäre auch ein Forecast für den Grenzverlauf notwendig gewesen, doch aus Zeitgründen & nachdem es ohnehin nur fast uns Südoststeirer betreffen sollte (was am Ende ja auch so war), konzentrierten wir uns einfach voll aufs chasen & warnen. -
Mit besten & lieben Grüßen Obmann Hans-Jürgen Pross
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